Warum Erwartungen keine gute Idee sind.

Wir alle sind Menschen. Dies bedeutet, dass es verschiedene Eigenschaften gibt, die uns alle verbinden und die wir gemeinsam haben. Ganz eindeutig bedeutet dies nicht, dass wir alle das Gleiche möchten oder die gleichen Ideen haben.

Erwartungen und Wünsche

Jeder hat seine individuelle Vorstellung davon, wie etwas sein wird oder warum etwas so ist, wie es ist. Diese Beurteilung erfolgt dabei anhand von den uns zur Verfügung stehenden Informationen. Dies können Erfahrungen sein, Bilder, Texte oder andere Informationsquellen sein.

Ein Beispiel:
Wir planen unseren Jahresurlaub. 
Anhand von Bewertungsportalen mit Erfahrungsberichten, Fotos des Hotels, Satellitenbildern und allem, was wir noch so finden, schauen wir, bevor wir buchen, ob alles unseren Wünschen entspricht. Mit anderen Worten: Wir sichern uns ab, sodass unsere Erwartungen an einen guten Urlaub mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit erfüllt werden. 

Dieses Verhalten ist typisch für die meisten Menschen und in den vielen Fällen ist es auch ein hervorragender Ansatz, der uns die für uns individuell richtigen Entscheidungen treffen lässt. Sobald sich der Kontext über uns hinaus erweitert, wird die Sache allerdings schwieriger.

Erwartungen vs. Realität

Wenn es darum geht zu beurteilen, warum etwas so geschehen ist, können wir gar nicht alle Informationen haben, um eine gesicherte Aussage zu treffen. Es ist schlicht unmöglich, alle existierenden Daten zu kennen. Daher greifen wir in dieser Situation auf unsere eigenen Erfahrungen und Schlussfolgerungen zurück, welche von unseren Emotionen beeinflusst wurden und werden. Die existierenden Informationslücken füllen wir so durch unsere Innenperspektive auf.

Dies erfolgt in den meisten Fällen nach bestem Wissen und Gewissen. Die wenigsten verfolgen schadhafte Absichten. Dennoch passiert es schnell diesen Status quo als unveränderlich und gegeben anzusehen, da dieser ja aus unserer Persönlichkeit entstanden ist. Der Schritt zur Erwartung ist somit überschaubar. Ein wenig Ego ist sicherlich auch beteiligt, denn das Zugeben der eigenen Fehlbarkeit ist nicht einfach und bedarf eines gewissen Trainings.

Ideal ist das sicherlich nicht. Insbesondere sollten wir diese Erwartungshaltung nicht zu ernst nehmen. Wenn wir bei Gelegenheit jemanden fragen, warum etwas so ist, wie es ist oder, warum eine Handlung gemacht wurde, ist die Antwort in den allermeisten Fällen eine andere als die, die uns am wahrscheinlichsten erschien.

Das ist nicht weiter dramatisch, allerdings zeigt dies sehr deutlich, dass wir nicht zu sehr auf die Allgemeingültigkeit unsere Sichtweise und Schlussfolgerungen beharren sollten.

Kommunikation

In jedem Fall macht es Sinn, uns nach den Hintergründen und der Entstehung der Situation zu erkundigen. In der Konsequenz haben wir die Möglichkeit etwas zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und viele spannende Gespräche zu führen, die uns ansonsten verborgen geblieben wären.

Wie so häufig ist auch in diesem Fall gute Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg. Durch gute und proaktive Kommunikation können die meisten irrtümliche Schlussfolgerungen vermieden werden.

Dies vermeidet Konflikte und verbindet. Spiel. Satz & Sieg.

Im Unternehmen

Wie lässt sich dies auf den Büroalltag übertragen? Je größer ein Unternehmen ist, desto schwieriger wird es über alle Abteilungen und Ebenen gut zu kommunizieren, da sich nicht alle untereinander kennen oder wissen, wo man sich erkundigen kann. Die meisten Unternehmen haben einen Informationskanal eingerichtet, aber das bedeutet noch lange nicht, dass wirklich alle Informationen oder Entscheidungen kommuniziert werden.

Fast jeder kennt es. Innerhalb von einem Projekt oder einer Aufgabe ist nicht ganz klar definiert, was, wie und mit welchem Ziel gemacht werden muss. In Folge dämpft dies die Motivation durch unnötiges Arbeiten, unnötige Diskussionen & Konflikte und unproduktive Arbeitszeit.

Daher macht es Sinn, bevor ein neues Projekt angestoßen wird sich genau zu überlegen, was und wie geplant und kommuniziert werden muss, damit alle involvierten Parteien genau Bescheid wissen.

Privat

Im privaten Umfeld geht es primär darum, eine eher platonische Ebene wie im Unternehmen, zugunsten eines tieferen Verständnisses und einer deutlich gesteigerten Qualität der Beziehung, zu verlassen.

Durch die entsprechende Kommunikation und das einhergehende Vermeiden von andauernden Unterschieden zwischen Erwartungen und der Realität legen wir eine solide Basis für diese Beziehung.

Das gegenseitige Verständnis und der Respekt voreinander ist ein wesentlicher Baustein, denn ohne dies sprechen wir unserem Gegenüber (wenn auch unbewusst) etwas von der „Qualifikation“ zu dem Thema ab. Dies führt dazu, dass wir uns gegenüber anderen Ideen und Sichtweisen verschließen.

Zusammenfassung

Im Wesentlichen sollten wir uns nicht zu sehr von unserer Erwartung leiten lassen, die wir sehr einfach entwickeln können.

Die Lösung liegt darin, fehlende Informationen soweit möglich einzuholen oder in die andere Richtung proaktiv zu kommunizieren, sodass möglichst wenig Missverständnisse und Kommunikationslücken entstehen, was die Erwartungen zumindest einmal näher an die Realität führt.

Der gegenseitige Respekt und der Austausch auf Augenhöhe ist in jeder Situation eine Grundvoraussetzung für den Erfolg und die effektive und konstruktive Kommunikation.